Was wollen die Charedim?

december 28, 2011

Während wir hier in Europa unsere Chanukkalichtlein anzünden, um damit an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem vor über 2000 Jahren zu erinnern und somit auch für Religionsfreiheit einzustehen, steht just diese in Beit Schemesch derzeit vor der Zerreißprobe.

Wie Haaretz und andere Medien in den letzten Tagen berichteten, gab es dort harsche Auseinandersetzungen von Charedim mit der israelischen Polizei sowie Übergriffe auf Frauen, die sich der angestrebten Geschlechtertrennung in diesem Städtchen widersetzten oder auch nur aus Versehen ”falsch” gehandelt hatten.

Nach Auffassung der Charedim von Beit Schemesch muss es Geschlechtretrennung im öffentlichen Raum geben. Nachdem – übrigens nicht nur in Beit Schemesch, sondern auch in Jerusalem und anderswo – bereits in einigen speziellen Bussen getrennte Sitzbereiche für Männer und Frauen eingeführt wurden, soll es nun in Beit Schemesch auch getrennte Trottoire geben. Schilder weisen darauf hin, wo Frauen sich aufhalten dürfen und wo nicht. Und das nicht erst seit gestern, sondern seit Jahren, wie Haaretz berichtet. Wen wundert’s, wenn dann auch von getrennten Parkbänken usw. geredet werden wird?

Worauf fußt diese Auffassung? Wie kann man die Torah so auslegen? An welcher Stelle der Torah steht geschrieben, dass Frauen und Männer nicht gemeinsam auf einer Parkbank sitzen, nicht denselben Gehsteig benutzen, nicht gemeinsam Bus fahren dürfen? Das sind Fragen, die sich stellen.

Und natürlich stellt sich auch die Frage: Was hat das mit mir zu tun? Ja, während wir hier mit unseren Chanukkakerzlein für Religionsfreiheit eintreten, stellt sich dort die Frage, welches Gut höher steht, Religionsfreiheit oder Menschenrechte. Während wir hier die Weltoffenheit, Fortschrittlichkeit und Toleranz des Judentums leben und insbesondere letztere auch von unserer Umgebung einfordern, schmeißen die Charedim diesem (und damit ihrem eigenen) Judentum buchstäblich Knüppel zwischen die Beine und zeigen die böse Fratze des engstirnigen Extremismus und Fundamentalismus, der, egal aus welcher Ecke er kommt, noch nie zu etwas Gutem geführt hat.

Was hat es den Griechen seinerzeit eingebracht, dass sie die Ausübung einer anderen Religion, in diesem Falle des Judentums, einschränken und verbieten wollten. Nichts! Einen Volksaufstand, der sie mit Schimpf und Schande vom Acker gejagt hat.

In einer Zeit, wo überall in der Welt, in der arabischen Welt genauso wie in Europa und in Russland, faschistische, faschistoide und andere selbstherrliche Regimes ins Straucheln kommen oder gar fallen, schwingen sich ausgerechnet in einer israelischen Stadt Leute auf, ein solches Regime installieren zu wollen.

Aber Baruch haSchem gibt es in Israel im Gegensatz zu vielen anderen Staaten eine funktionierende Demokratie und eine äußerst kritische Zivilgesellschaft, die sich das nicht bieten lassen wird. Die Frage ist nur, wie hoch der Preis sein wird.

Und ganz nebenbei regnet es in Aschkelon wieder Raketen aus Gaza, die nicht unbeantwortet bleiben können.

Die religiöse Zerreißprobe ist auch eine politische…

Annonser

Kompliment, Marina!

december 14, 2011

Gegeben hast du es ihm ja nicht, dem Markus Lanz, gestern in der Sendung, wie es die Piraten gefordert haben. Aber das ist ja auch gar nicht nötig. Lanz ist ja ein durchaus sympathischer und gescheiter, und bei dem auch noch gut aussehender Talkmaster, der Mann des ZDF für alle Fälle, so sah das edenfalls mal aus. Er hat vielleicht einen kleinen Schönheitsfehler. Seine Fragen sind manchmal ein wenig unterleibsfixiert, könnte man meinen. Typisches Beispiel dafür waren ja gestern seine Fragen an Michael Gwisdek und Kevin Costner.

Und die haben ihn ja auf diesem Gebiet in Längen geschlagen, besonders Michael Gwisdek, einer der besten Schauspieler der untergegangenen DDR, der jetzt, zwanzig Jahre später dann doch wiedermal ins Fernsehen darf – und es auch zu einer Home-Story in der Brigitte geschafft hat vor einigen Monaten… Er hat dem Lanz mit seiner kodderigen Berliner Schnauze gezeigt, wo der Hammer hängt!

Das brauchtest du also nicht machen. Und trotzdem war es ein Genuss, wie du ihm zum Beispiel den Unterschied zwischen Transparenz und Persönlichkeitsrechten des einzelnen erklärt hast. Das ist ja ein Feld, auf dem sich Journalisten nicht so gut auskennen und gern mal alles in einen Topf werfen. Das war einsame Klasse.

Aber – und da hatte Markus Lanz wiederum Recht – man merkte, dass manche Textstellen ein bisschen einstudiert wirkten. Aber auch das ist nicht verwunderlich: Hat man über manche Sachen ausreichend diskutiert, hat man seine Argumente parat. Das ist einfach so.

Eure Diskussion von Ossi zu Ossi sozusagen, die Verbrüderung des Großen mit dem Kleinen Bruder, zwanzig Jahre nach dem Tod der beide Helden, war ja auch köstlich. Da konnte der nette Italiener ja nicht  mithalten. Schade nur, dass Gwisdek sein Russisch nicht ausgepackt hat, dass er sicher auch irgendwo auf Halde liegen hat.

Auch der Hinweis auf das Mitglied der inzwischen dahin siechenden FDP, das meinte, dass die Piraten derzeit die einzige liberale Alternative in Deutschland darstellen, war köstlich. Und das ganze ohne jegliche Häme, denn die wäre auch fehl am Platze, denn – und das hat ja nicht zuletzt ein gewisser Guttenberg gezeigt: Wer hoch steigt, fällt tief.

Lange Rede – kurzer Sinn: Wo kann man Mitglied bei euch werden, wenn ihr einen alternden Ex-SED-Jungspund überhaupt gebrauchen könnt, der derzeit noch im Exil im Mutterland der Piraterie lebt (wobei die hiesigen Piraten nie eine politische Alternative wären; die sind, zumindest in der Wahrnehmung, viel zu sehr auf, just det, Piraterie eingerichtet).

Stehender Applaus also aus Schweden! Стоящие аплодисменты из Швеции! (Tolle Eltern übrigens, die genau das Richtige getan haben: ”Zu Hause haben wir nur Russisch gesprochen”. So hast du gleich zwei Muttersprachen. Naja, und Englisch…, aber wer kann das nicht, irgendwie. Und Lanzens Frage, warum die Klitschkos nicht so akzentfrei Deutsch sprechen wie du, erledigt sich natürlich ganz von selbst mit Blick auf ihr Alter, als sie nach Deutschland kamen. Allerdings fragt man sich ein bisschen, wann und wo er es gelernt hat, so dialektfrei Hoch- oder besser Standarddeutsch zu sprechen, bstimmt nicht in Südtirol. Dös kann i mer net denke…)

Aber ein stehender Applaus geht auch an die anderen Mitwirkenden: Köstliche Unterhaltung mit viel Witz und Charme, aber eben auch einer gehörigen Portion Tiefgang, wenn man mal von gewissen Fixierungen absieht, die auch du nur noch mit einem Augenrollen quittieren konntest.

PS: Und was die Frage Jüdin oder nicht Jüdin betrifft, bin ich nach wie vor dafür, dass wir uns alle als homosexuelle Sinti und Roma jüdischen Glaubens outen sollten. Dann wäre das Thema vom Tisch.


С Белой лентой к справедливым и честным выборам в России

december 12, 2011

For English scroll down!

Надень Белую ленту и покажи свою поддержку борьбы русской оппозиции за новые, в этот раз справедливые и прежде всего честные выборы в России.

Достань какую-нибудь белую ленту и надень её. Или достань ленту на twibbon.com и надень её в Фейсбуке.

With the White ribbon to fair and honest elections in Russia

Wear the White Ribbon and show your support for the struggle of the Russian opposition for new, this time fair and honest elections in Russia.

Get some white ribbon and put it on your clothes. Get it on twibbon.com and put it onto your profile on Facebook.


Vi vill bara få vara!

december 12, 2011

Det är grundtanken som ligger bakom en tyst demonstration som pågick i Malmö i lördags där ett antal människor vandrade från synagogan till Triangeln, med kippot på huvuden och davidsstjärnor på rockuppslagen. Sydsvenskan berättade om denna manifestation av jiddischkeit in Malmö.

Nu har Anna Ekström på sin blogg kommit med förslag att alla som tycker att detta skulle vara en bra gest, judar som ickejudar, kristna, muslimer, ateister, alla, skulle bära en davidsstjärna på rockuppslaget eller en kippa på huvudet för att visa sin solidaritet utan men och aber.

Detta upprop stödjer även jag och kompletterar min stadskippa som jag ber hursomhelst med min fina davidsstjärna som jag kommer ha runt halsen – så fort jag har hittat ett passande halsband.


Очень много вещей…

december 5, 2011

…на своей душе… Что делать, чем заниматься, куда добраться? Много вопросов, нет ответов.

И во все это впадает старая, новая российская травма.

Путинская Единая Россия получила опять около 50 процентов. Как получили уже другой вопрос. А в следующем году стране предстоит совсем ”демократическая” президентская рокировка. Это не демократия. Это путинщина настоящая. Корни президента (да что-же президента… до чего же президент Медведев, он же марионетка, не больше не меньше) России точно видны. Их же на Люблянке найдешь …

Невероятно, что люди это не понимают, и наденется, что голосуют соответсвенно в следующем году.

Но как уже сказала подруга из Москвы, имя которой лучше не назовём: Червь сидит в дерьме и спрашивает свою мать: ”Почему это так хорошо, распускаются цветы и бабочки летают, а мы сидим здесь” Мать отвечает: ”Потому что это наш дом, мальчик!”

Наверное так оно и есть. Как дальше? Неизвестно. Желаю силы, мудрости, мужества.


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