Was wollen die Charedim?


Während wir hier in Europa unsere Chanukkalichtlein anzünden, um damit an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem vor über 2000 Jahren zu erinnern und somit auch für Religionsfreiheit einzustehen, steht just diese in Beit Schemesch derzeit vor der Zerreißprobe.

Wie Haaretz und andere Medien in den letzten Tagen berichteten, gab es dort harsche Auseinandersetzungen von Charedim mit der israelischen Polizei sowie Übergriffe auf Frauen, die sich der angestrebten Geschlechtertrennung in diesem Städtchen widersetzten oder auch nur aus Versehen ”falsch” gehandelt hatten.

Nach Auffassung der Charedim von Beit Schemesch muss es Geschlechtretrennung im öffentlichen Raum geben. Nachdem – übrigens nicht nur in Beit Schemesch, sondern auch in Jerusalem und anderswo – bereits in einigen speziellen Bussen getrennte Sitzbereiche für Männer und Frauen eingeführt wurden, soll es nun in Beit Schemesch auch getrennte Trottoire geben. Schilder weisen darauf hin, wo Frauen sich aufhalten dürfen und wo nicht. Und das nicht erst seit gestern, sondern seit Jahren, wie Haaretz berichtet. Wen wundert’s, wenn dann auch von getrennten Parkbänken usw. geredet werden wird?

Worauf fußt diese Auffassung? Wie kann man die Torah so auslegen? An welcher Stelle der Torah steht geschrieben, dass Frauen und Männer nicht gemeinsam auf einer Parkbank sitzen, nicht denselben Gehsteig benutzen, nicht gemeinsam Bus fahren dürfen? Das sind Fragen, die sich stellen.

Und natürlich stellt sich auch die Frage: Was hat das mit mir zu tun? Ja, während wir hier mit unseren Chanukkakerzlein für Religionsfreiheit eintreten, stellt sich dort die Frage, welches Gut höher steht, Religionsfreiheit oder Menschenrechte. Während wir hier die Weltoffenheit, Fortschrittlichkeit und Toleranz des Judentums leben und insbesondere letztere auch von unserer Umgebung einfordern, schmeißen die Charedim diesem (und damit ihrem eigenen) Judentum buchstäblich Knüppel zwischen die Beine und zeigen die böse Fratze des engstirnigen Extremismus und Fundamentalismus, der, egal aus welcher Ecke er kommt, noch nie zu etwas Gutem geführt hat.

Was hat es den Griechen seinerzeit eingebracht, dass sie die Ausübung einer anderen Religion, in diesem Falle des Judentums, einschränken und verbieten wollten. Nichts! Einen Volksaufstand, der sie mit Schimpf und Schande vom Acker gejagt hat.

In einer Zeit, wo überall in der Welt, in der arabischen Welt genauso wie in Europa und in Russland, faschistische, faschistoide und andere selbstherrliche Regimes ins Straucheln kommen oder gar fallen, schwingen sich ausgerechnet in einer israelischen Stadt Leute auf, ein solches Regime installieren zu wollen.

Aber Baruch haSchem gibt es in Israel im Gegensatz zu vielen anderen Staaten eine funktionierende Demokratie und eine äußerst kritische Zivilgesellschaft, die sich das nicht bieten lassen wird. Die Frage ist nur, wie hoch der Preis sein wird.

Und ganz nebenbei regnet es in Aschkelon wieder Raketen aus Gaza, die nicht unbeantwortet bleiben können.

Die religiöse Zerreißprobe ist auch eine politische…

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2 Responses to Was wollen die Charedim?

  1. […] auch die Bürger) gegen die um sich greifende Ultraorthodoxie (eine Sicht, die auch in jüdischen Blogs aufgegriffen wird). Dabei werden gerne alle möglichen Ereignisse zusammen gemischt. Die Ereignisse in Bejt […]

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