Jerusalem – Resumee einer Reise


Eben nach Hause gekommen von einer einwöchigen Reise nach Jerusalem will ich versuchen zusammenzufassen, was ich gesehen habe.

Was ich gesehen habe, ist eine pulsierende Stadt, die in der ganze Welt ihresgleichen sucht, die allen Schwierigkeiten in dieser Region trotzt, die versucht, jedem die Möglichkeit zu bieten, nach seiner Facon selig zu werden, eine Stadt, die sich entwickelt, die Grenzen überwindet, die verbindet und trennt, ein Schmelztiegel dreier Weltreligionen, in dem sowohl die Wiedersprüche als auch die Ähnlichkeiten deutlich zu Tage treten.

Der Spaziergang in der historischen Altstadt ist ein Spaziergang durch eine mehrtausendjährige Geschichte mit all ihren Brüchen und Brücken. Wir sind stundenlang durch das jüdische Viertel der Altstadt gezogen, das nach dem Sechstagekrieg neu aufgebaut worden ist, nachdem es zuvor im Krieg von 1948 zerstört wurde und dann unter jordanischer Verwaltung verfallen ist. Wir haben die wieder aufgebaute Hurva-Synagoge gesehen, die noch in den Neunzigern eine Ruine war und heute von weither als eine der vielen Kuppeln der Altstadt von Jerusalem zu sehen ist. Am Zugang zum Kotel, der Westmauer, haben wir jüdisches Leben in vielen Facetten erlebt, säkuläre und religiöse Juden aller Couleur waren dort anzutreffen, darüber hinaus viele Touristen aus aller Welt, die diesen Zugang zur Westmauer wählten.

Der andere Zugang führt über den Suq, den arabischen Markt im Zentrum der Altstadt, der prall gefüllt mit kleineren und größeren Läden ist und Touristen aus aller Welt zum Kaufen von Souvenirs der drei Weltreligionen verleitet. Hier gibt es alles, vom Goldkreuz über den Tallith bis hin zu Koransuren auf schön gearbeiteten Tafeln, vom IDF-T-Shirt bis zur Palästinaflagge.

Ein Rundgang auf der historischen Stadtmauer rund um die Altstadt rundet das Bild dieser Metropole erst richtig ab. Wenn man über das Damaskustor geht, hört man unter sich den Markt wie einen riesigen Bienenschwarm summen. In Richtung Süden öffnet sich von dort aus der Blick über die Altstadt. Deutlich erkennbar sind von hier aus die Kuppeln der Grabeskirche und der Hurva-Synagoge sowie die berühmte goldene Kuppel des Felsendoms, die drei monotheistischen Weltreligionen in trauter Eintracht miteinander verbunden.

Der Blick schweift von der Mauer aus über das christliche und das muslimische Viertel der Altstadt. Nach Norden und Osten hin schaut man über die Teile Jerusalems, die weitgehend von Arabern bewohnt werden. Aber auch hier ist es die Mischung, die es macht. Denn längst hat sich hier eine friedliche Koexistenz durchgesetzt, die zulässt, das Juden und Moslems mit Respekt und in trauter Eintracht miteinander umgehen.

Die Nordroute auf der Stadtmauer führt vom Jaffator im Westen nördlich um die Altstadt herum bis zum Löwentor. Über die Südroute kommt man vom Jaffator bis zum Kotel. Weiter geht es nicht. Der weitere Weg würde über die Mauern des Tempelbezirkes führen, der von einer Wagf, einer frommen muslimischen Stiftung weitgehend autonom verwaltet wird. Noch in den neuniziger Jahren war es möglich den Tempelberg im Rahmen einer Touristengruppe zu besuchen. Heute ist das für Nichtmoslems weitgehend ausgeschlossen. An eine Wanderung über die Mauern des Tempelberges ist derzeit nicht einmal zu denken.

Am Löwentor steigt man hinab von der Mauer und begibt sich über die Via Dolorosa zurück in die Stadt, bis man am Damaskustor aus der Altstadt heraus tritt. Auch dieser Weg führt über den Suq, den arabischen Markt. An der Ecke der Via Dolorosa zur El Wad Street saßen ein paar Jungs in der Uniform der israelischen Armee, deren Aufgabe es ist, die Ruhe in der Altstadt zu erhalten. Wenn man aber volle Armeepräsenz in der Alstadt erwartet, wird man genötigt umzudenken.ezirkes führen, der aber von einer Waqf, einer frommen islamischen Stiftung in größtmöglicher Autonomie verwaltet wird. Während ich in den Neunzigern noch den Tempelberg im Rahmen einer Touristenreise besuchen konnte, ist dies heute weitestgehend eingeschränkt. Und an eine Wanderung auf den Mauern des Tempelberges ist natürlich derzeit nicht zu denken.

Vor dem Damaskustor hält die neue Straßenbahn von Jerusalem. Die Beschilderung hier ist durchweg auf Arabisch, da wir uns im arabischen Teil der Stadt befinden, im jüdischen Teil der Stadt ist sie dagegen durchweg auf Hebräisch. In der Straßenbahn selbst erhält man alle relevanten Informationen auf Hebräisch, Arabisch und Englisch. Für uns stellte sich an dieser Stelle die Frage, ob wir zwei Stationen gen Westen fahren wollen, um dort auf dem Machane Jehuda ein wenig einzukaufen oder, ob wir die Gelegenheit nutzen wollen, eine kleine Stadtrundfahrt mit der Straßenbahn zu machen, die ja gerade erst seit einigen wenigen Monaten in Betrieb ist. Wir entschlossen uns für Letzteres und fuhren zunächst mit der Bahn in Richtung Norden zum Endhaltepunkt Kheil haAvir. Dabei passierten wir die arabische Vorstadt Shuafat sowie einige jüdische Vorstädte Jerusalems, die man gemeinhin zu den jüdischen Siedlungen im Westjordanland zählt. Aber die Bahn passiert nicht nur das arabische Dorf Shuafat, sondern es bindet diese Vorstadt auch an die Stadt Jerusalem an. Aber man ist auf der Hut vor Terrorangriffen und kontrolliert die Bahn ständig. Erst im Herbst explodierte eine Bombe direkt vor der Zentralen Busstation im Westteil von Jerusalem und riss mehrere Menschen in den Tod.

Die Bahn aber zeigt, dass man sich nicht von der Gewalt, die jederzeit und überall wieder auftreten kann, nicht unterkriegen lassen will, und sie zeigt, dass man in Jerusalem eine gemeinsame jüdisch-arabische Stadt haben will, die wächst und gedeiht, wo zusammenwächst, was zusammen gehört.

Allerdings braucht es dazu eine steuernde Hand. Und die letzten vierzig Jahre haben gezeigt, dass der israelische Staat trotz aller Probleme und Ungerechtigkeiten immernoch der Staat ist, der allen Beteiligten am besten gerecht werden kann, der die Glaubensfreiheit aller Religionen am besten gewährleisten kann, der bereit ist, allen Menschen die bestmöglichen Bedingungen zu bieten, der allerdings auf Grund der Unterschiedlichkeit und Vielschichtigkeit der Probleme immer wieder vor der Zerreißprobe steht. Die Bedrohung durch äußere Mächte und die zunehmende Ignoranz der Welt kommt hinzu.

Wann endlich wird der Traum von einem friedlichen Jerusalem für alle seine Bewohner wahr werden können?

Annonser

2 Responses to Jerusalem – Resumee einer Reise

  1. Tanesha skriver:

    It is appropriate time to make some plans for the
    future and it is time to be happy. I’ve read this post and if I could I wish to suggest you some interesting things or suggestions. Perhaps you could write next articles referring to this article. I desire to read even more things about it!

Kommentera

Fyll i dina uppgifter nedan eller klicka på en ikon för att logga in:

WordPress.com Logo

Du kommenterar med ditt WordPress.com-konto. Logga ut / Ändra )

Twitter-bild

Du kommenterar med ditt Twitter-konto. Logga ut / Ändra )

Facebook-foto

Du kommenterar med ditt Facebook-konto. Logga ut / Ändra )

Google+ photo

Du kommenterar med ditt Google+-konto. Logga ut / Ändra )

Ansluter till %s

%d bloggare gillar detta: