Gauck spaltet oder Was g(a)uckst du?


Zumindest diese Familie spaltet er.

Schon bei der letzten Bundespräsidentenwahl gingen die Meinungen bei uns auseinander. Die eine Hälfte war für den jungen Wulff, die andere für den alten Gauck. Dieses Mal gab es keine wirkliche Alternative zu Gauck. Und so wurde er folgerichtig auch gewählt. Die eine Hälfte ist immernoch gegen ihn. Die andere – nach wie vor für…

Warum ist eine Hälfte gegen ihn? Unter anderem wegen solcher Überlegungen, wie sie in der taz letzte Woche zu finden waren. Efraim Zuroff, der Leiter des Simon Wiesenthal Centers in Jerusalem hat dort erklärt, warum er Gauck für die falsche Wahl hält. Zugegeben, wenn es stimmt, dass er maßgeblich an dieser Prager Erklärung beteiligt war und ihre Positionen teilt, lässt das aufhorchen. Er selbst hat gestern in Was nun, Herr Gauck? in dieser Frage schon klar und deutlich von der deutschen Verantwortung für den Holocaust gesprochen und davon, dass dieses Ereignis natürlich beispiellos in der Geschichte ist, insbesondere in der deutschen – und, das hat er nicht gesagt, jüdischen. Er warb aber auch für Verständnis über den deutschen Tellerrand hinaus.

Gauck ist kein gefälliger Präsident. Er will nicht gefallen. Er will keine Parteilinie vertreten. Er will seine Meinung sagen, wird sicher hier und da seine Ecken und Kanten zeigen und nicht nur aalglatt durch seine Amtszeit defilieren, wie es sein Vorgänger versucht hat. Das halte ich für ein großes Plus, regt er doch dadurch Diskussionen und Debatten an, die dieses Land hoffentlich weiter führen können, als die um seinen Vorgänger und dessen Portemonnaiegröße. Er ist vielleicht der Bundespräsident, der erste vielleicht seit Weizsäcker, an dem die deutsche Demokratie auch mal beweisen kann, wie weit sie Offenheit und Demokratie verträgt, ohne den, der etwas in Frage stellt gleich selbst in Frage zu stellen. Köhler ist beim ersten Windhauch eingeknickt. Bei Wulff kam es nie zu ernsthaften Fragestellungen, außer einer (halbherzig?) angeschobenen Integrationsdebatte.

Gauck hat das Zeug zur Kontroverse. Sein Leben ist ein Spiegel deutscher Geschichte des 20. Jahrhunderts. Kind von NSDAP-Mitgliedern, Vater nach dem Krieg wegen Spionage in Sibirien, Pfarrer in der DDR, Gauck-Behörde nach der Wende…

Zu Gauck gehört aber auch die skurrile Geschichte seiner zwei Frauen. Die eine, Gerhild Gauck (*1940), mit der er seit 1959 verheiratet ist, von der er aber seit 1991 getrennt lebt.  Die andere, Daniela Schadt (*1960), mit der er seit dem Jahr 2000 zusammen lebt. Welche von beiden er zur First Lady macht, steht wohl nicht in Frage, da Daniela Schadt mit Gaucks Wahl zum Bundespräsidenten die Schirmherrschaft für das Müttergenesungswerk übernommen hat, ein typischer First-Lady-Posten. Auch das ist ein Testfall für die Toleranzfähigleit der Deutschen für andere Lebensentwürfe, den sie bis hierher jedenfalls bestanden haben.

Bleibt abzuwarten, was die Meute bei ihm findet, um sich darauf zu stürzen. Bleibt zu hoffen, dass er die Kraft und das Durchhaltevermögen hat, eventuellen Angriffen mit den richtigen Mittel entgegenzuwirken und sich nicht mit den falschen Leuten zu verbrüdern.

Denn eine dritte vorzeitig beendete Präsidentschaft in Folge könnte nun wirklich das Amt schwer beschädigen. Dann gäbe es möglicherweise nur noch zwei Alternativen: Abschaffen oder mich wählen ;-); mittlerweile bin ich sogar schon leicht über die 40.

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