Reepalu und kein Ende


Das Problem ist nicht nur Ilmar Reepalu. Der OB von Malmö ist nur die Spitze des Eisberges und macht die ganze Geschichte salonfähig. Dabei will ich ihm nicht einmal böse Absichten unterstellen, sondern einfach nur Dummheit und Naivität und persönliche Gekränktheit.

Das eigentliche Problem liegt doch viel tiefer. Zum Beispiel in den Medien. Die Gratiszeitung Metro zum Beispiel machte heute mit dieser Schlagzeile auf: Traf jüdischen Rat: Löfven wird gezwungen, sich der Sache Reepalu anzunehmen. (Löfven, muss man vielleicht erwähnen, ist der frischgebackene Parteichef der Sozis in Schweden, zu denen ja auch Herr Reepalu gehört.) Im gedruckten Text stand dann etwas anderes; in der Netzausgabe finde ichn nicht mal eine Notiz. Da stand so sinngemäss, dass er bedauert, dass Reepalu solche Äusserungen gemacht hat, die klar der Parteilinie widerspächen. Leider hat er sich allerdings auch nicht klar von Reepalu distanziert, aber immerhin von den Äusserungen.

Von Zwang allerdings war in dem Text nicht die Rede. Aber was liest Sven Svensson und mit ihm Abdullah Svensson? Er liest: Traf jüdischen Rat: Löfven wird gezwungen, sich der Sache Reepalu anzunehmen. Und von wem? Natürlich von einem geheimnisvollen jüdischen Rat. Oder besser von einer Lobby, die ja sowieso lt. Reepalu israelisch, sollte sicherlich heißen jüdisch, unterwandert sind. Das hat er zumindest zu einem früheren Zeitpunkt einmal fallen gelassen. (Reepalus ganze antisemitische Karriere, ob bewusst oder unbewusst sei dahingestellt, wurde in der Zeitung Glaube und Politik einmal zusammengefasst.)

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Im Expressen ist aber auch schon in der Schlagzeile ein anderer Tenor zu hören: Löfven richtet scharfe Kritik gegen Reepalu. Auch hier keine Rede von irgendwelchen Zwängen.

Die Lokalzeitung Sydsvenskan kommt heute in ihrer Netzausgabe mit eine Artikel über Harry Turner, der sich dazu entschlossen hat, Malmö den Rücken zu kehren, aber nicht einfach so, sondern aus politischen Gründen: Er fasst die antisemtische Politik der Stadt als offiziell auf, wie ihn die Zeitung zitiert. Wäre interessant zu wissen, was er wirklich gesagt hat… Und unter der programmatsichen Überschrift ”Es gibt Leute in Malmö, die die Juden der Stadt für die UN-widrige Ockupation Palästinas verantowrtlich machen. Das ist total falsch, es hat nichts miteinander zu tun.” vermischt die linke Malmöer Kommunalrätin Hanna Thomé in der heutigen Printausgabe, Seite A5, fröhlich selbst Äpfel und Birnen. Man fragt sich: Ja, wenn es denn nichts miteinander zu tun hat, warum vermischst Du es dann? Im Text schreibt sie übrigens weiter: ”Wir müssen die Morde an Palästinensern und Israels ungerechtfertigte Kriegsockupationspolitik verurteilen, und wir müssen alle Verbrechen an Juden in Malmö verurteilen, die aus Hass begangen werden.” (Dazu muss man allerdings auch sagen, dass die schwedische Sprache keine Relativierungen kennt. Eine Anpöbelung oder Beschimpfung ist hier im offiziellen Sprachgebrauch genauso ein Verbrechen wie ein Mord. Das Wort ”hatbrott” gibt da das ganze Spektrum wider – oder eben auch nicht. Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weswegen Schweden oft nicht zwischen einem vorsätzlich begangenen Mord an Unbeteiligten und einem gezielten Aufspüren und Töten von Tätern unterscheiden können, ein Unterschied, der sogar im Völkerrecht klargestellt wird.) In der Netzausgabe ist übrigens der gleiche Artikel zu finden, allerdings unter der Überschrift Auf Minoritäten hören

Wenn dann aber noch das schwedische Fernsehen in die Bresche springt und, wie um Weihnachten herum geschehen, eine Reportage unter dem Titel Gazas Tränen zeigt, das ganze gewürzt mit Henning Mankells Abenteuern auf der Gazaflottille, die hier übrigens breite Zustimmung erfährt.

Dann braucht man sich eigentlich nicht wundern, dass dann Jugendliche am Sergels torg in Stockholm herum rennen, eine israelische Fahne klauen, um sie zu verbrennen. Dass ihnen das nicht gelingt, ist Ironie der Geschichte, dass sie das Filmchen trotzdem ins Netz stellen – reine Dummheit.

Wenn es nicht so ernst wäre, hätte man sich totlachen können bei diesem Video. So – bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Und so verwundert’s auch nicht, dass der Rabbiner in Malmö ein schweres Leben hat, weil man ihn ständig mehr oder weniger unverhohlen anpöbelt. Da verwundert man sich auch nicht mehr, dass niemand seine Kippa auf dem Kopf trägt oder einen Davidsstern um den Hals. Und da verwundert man sich auch nicht mehr, wenn man, wenn man das nun mal tut und sich öffentlich in der Lokalpresse als Jude outet, prompt, wie ein Brief per Post, auf der Straße mal kurzerhand mit Jävlajude! beschimpft wird, was wohl frei ins Deutsche übersetzt soviel bedeutet wie Drecksjude – und das aber eben nicht in Malmö, sondern in dem kleinen verträumten Universitätsstädtchen Lund.

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