Kommt ein Pferd in ein Quartett


Natürlich hat es das ZDF wieder einmal geschafft, in einer absolut unschuldigen Sendung einen Völkermord, ”nämlich der Araber” unterzubringen.

Gemeint war natürlich nicht der Völkermord, den Araber, sprich: Daesh oder auch das Assad-Regime, an Arabern, sprich: Einwohnern Syriens, seit Jahren verüben. Gemeint ist selbstverständlich der angebliche Völkermord der Israelis, ergo der Juden, an den palästinensischen Arabern. Das nämlich polterte Volker Weidermann, von dem zumindest ich bislang nichts gehört habe, wie ein Elefant im Porzellanladen ca. 7 Minuten vor Schluss des verlinkten Clips unwidersprochen in die Runde, wobei man deutlich sieht, dass es einem Vertreter des Quartetts ähnlich ging wie mir, als ich die Sendung spät am Abend gesehen habe: Er war zu müde, sich noch weiter aufzuregen, weiterhin Eulen nach Athen zu tragen. Er hatte es bereits kurz nach der Einleitung zum Thema versucht, wurde aber von seinen drei Mit-Streitern beharrlich unterbrochen, die natürlich außer einiger dramaturgischen Schwächen nichts Merkwürdiges erkennen konnten.
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Das Ganze geschah im Zusammenhang mit der Besprechung des Buches ”Kommt ein Pferd in eine Bar” (im hebräischen Original: סוס אחד נכנס לבר) des bislang von mir für sein Engagemant für den Frieden im Nahen Osten geschätzten israelischen Schriftstellers David Grossman, der 2006 seinen Sohn Uri bei einer Militäroperation im Süden des Libanon verloren hatte. Das Buch wurde in der Sendung präsentiert und natürlich von allen wohlwollend aufgenommen. Mit einer Ausnahme: Maxim Biller.

Man fragst sich, warum mag Biller das Buch nicht? Weil es offensichtlich ein Bild vermittelt, das Israel als semifaschistischen, reaktionären Staat und seine Bewohner, wohl inklusive Grossman selbst (der sich selbst aber vermutlich eher als Linken definieren würde), als menschenverachtende Wesen darstellt – ganz im Sinne des schwedischen Israelkenners Göran Rosenberg und seines britischen Mitstreiters, Avi Shlaim, die ich vor kurzem bei einer sehr zweifelhaften, aber weitgehend unumstrittenen Veranstaltung der Universität Lund erleben ”durfte”; worauf ich im Nachhinein jedoch gern verzichtet hätte.

Ich habe das Buch selbst nicht gelesen, kann mir also über die Qualität des Buches kein Urteil erlauben, werde es möglicherweise noch tun. Aber ich kann mir durchaus eine Urteil über die Sendung und über Volker Wiedermann und seine hier getätigte Äußerung erlauben – und das fällt nicht gut aus.

Nach dieser Besprechung im Literarischen Quartett werde ich das Buch allerdings mit ziemlicher Sicherheit wohl nicht kaufen, sondern höchstens in der Bibliothek leihen. Aber da wird es zumindest hier in Schweden wohl nie ankommen. Es hat ja trotz allem einen israelischen Autor.

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