Geburtstag der Königin

april 17, 2018

Heute hat die Königin Geburtstag. Nein, ich bin keinen Tag zu spät. Gestern war die dänische Königin dran. Heute feiert meine persönliche Königin Geburtstag, die Königin von Mischpokien.

Und ich will ihr an dieser Stelle herzlich gratulieren und ihr und uns alles Gute wünschen. Außerdem will ich ihr danken, dass sie mich vor nunmehr 24 Jahren mitgenommen hat auf diese merkwürdige Reise nach Jerusalem, die sie organisiert hatte und auf der man mich ihr vor die Nase gesetzt hat – weil ich eine pädagogische Ausbildung hatte und die nicht. Genützt hat das der Reise damals nicht, da ich alles falsch gemacht habe, was man falsch machen konnte. Geschadet allerdings auch nicht, da alle anderen alles richtig gemacht haben, auch die unter 18-Jährigen, die ich damals mitten in der Nacht allein in der Disco Underground an der Ben Jehuda gelassen hatte, in der Hoffnung, sie kämen allein nach Hause, wenn die Party vorbei wäre. Ja, und das taten sie auch. Man könnte auch sagen, Vertrauen zahlt sich aus. Aber es war wohl mehr Anfängerglück, da ich im Gegensatz zu ihr von Land und Leuten keine Ahnung hatte. Dass sie sauer war, braucht hier kaum erwähnt werden. Denn als damals schon geübtes Muttertier von drei herrlichen Mädchen wusste sie, worauf es ankam. Ich dagegen… Theoretiker.

11336878_10205231975492356_7232858099001119515_oJahre später wussten wir schon noch, dass wir gemeinsam auf der Reise waren, aber dass es Bildbeweise gab, dass wir nebeneinander im Flugzeug saßen, hatten wir beide verdrängt.

Bis wir uns zwei Jahre später wieder begegneten – am Telefon, am selben Abend noch im richtigen Leben, als wir uns zu einer Lesung von Eva Strittmatter verabredet hatten. Danach landeten wir auf dem jüdischen Friedhof der Stadt, von dessen Existenz wir nicht die geringste Ahnung hatten. Wieder etwas später fuhren wir zusammen auf die Burg Bodenstein, weil sie einen Chauffeur brauchte. Auf dem Weg dorthin machten wir bei meinen Eltern Halt. Meine Mutter hörte schon die Nachtigallen trapsen…

Noch ein Jahr später waren wir beide frisch von unseren schon seit langem toten Ehen geschieden und neu verheiratet, und Sohni Nr. 1 war auch schon da. Danach ging es ruckzuck auf in die weite Welt, naja, nach Schweden, die EU auf Tauglichkeit untersuchen. Und da sind wir jetzt…

Eine tolle Zeit! Vielen Dank, dass Du sie mit mir geteilt hast und weiter teilen willst, was da auch kommen mag. Ich liebe dich!

!מזל טוב! ביז 120

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ZDF History auf Abwegen

april 9, 2018

Sie haben es wieder getan. Wieder hat das ZDF Öl ins Feuer des Nahostkonflikts gegossen, indem es eine Dokumentation ausgestrahlt hat, die die Geschichte neu deutet, um nicht zu sagen verfälscht. In der Dokumentation Jerusalem – ewiger Kampf um die Heilige Stadt, die das ZDF am Sonntagabend, Gott sei Dank zu nachtschlafender Zeit ausstrahlte, schließt sich das ZDF den nunmehr gängigen Klischees an, wonach die bösen Juden den lieben Palästinensern das Land geklaut haben.

Dabei verwendet man zum Beispiel den Begriff Palästinenser lediglich für die arabische Bevölkerung des Gebiets, und das zu einer Zeit, als sie sich noch nicht einmal selbst als Palästinenser sahen. Der Begriff wurde erst in den sechziger Jahren durch die PLO, die Palästinensische Befreiungsfront, geprägt. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges gab es arabische und jüdische Palästinenser, die den drei großen monotheistischen Religionen angehörten.

Man behauptet, dass es keine Juden in der Region – außer in Jerusalem selbst – gegeben hat, bevor die zionistische Bewegung eine Masseneinwanderung in Bewegung setzte. Das darf getrost bezweifelt werden.

Man spricht von Scharfmachern auf beiden Seiten, die immer wieder zur weiteren Eskalation des Konfliktes beitragen, zeigt aber im Bild in diesem Zusammenhang nur Ariel Sharon.

Zeitzeugen und Historiker werden befragt. Außer bei der deutschen Historikerin Gudrun Krämer, die uns bereits im Film als Historikerin an der FU Berlin vorgestellt wird, deren Thesen auch dennoch eher der Terminologie der BDS-Bewegung als neutraler Geschichtsschreibung folgen, bleibt dem Zuschauer vorenthalten, wer die Leute sind, die da befragt werden. Die einzigen Meriten, die angegeben werden sind ”Israelische Historikerin” und ”Palästinensischer Historiker”. Erst googeln verschafft mehr Klarheit und führt zu der Erkenntnis, dass Anita Shapira emeritierte Professorin am Jitzchak-Rabin-Center für Israelstudien der Universität Tel Aviv ist, während Mahdi Abdul Hadi laut eigenen Angaben auf der sozialen Netzwerkseite LinkedIn als Vorsitzender der Palästinensischen Akademischen Gesellschaft für das Studium der Internationalen Politik firmiert. Dort allerdings schreibt der Nutzer die Einträge selbst. Ein weiteres Googeln führt uns auf die Seite des österreichischen Bundesheeres, das zwei wissenschaftliche Publikationen des Historikers veröffentlicht.

Auch knapp ein Verweis auf antijüdische Ausschreitungen, wie zum Beipiel das Massaker von Hebron 1929. Stattdessen wurden, sinngemäß zitiert, einige Juden zu Terroristen, was natürlich nicht falsch ist, aber vor dem Hintergrund der Aussagen über den von den Briten gewaltsam niedergeschlagenen Arabischen Aufstand, übrigens nicht Palästinensischen Aufstand(!), von 1936, sind natürlich wieder die Juden die Schweinehunde, denn während die Araber einen Aufstand gegen eine fremde Macht durchführen, werden die Juden zu Terroristen. Und schon bläst das ZDF in das gleiche Horn wie die schärfsten Antisemiten.

Und dabei reden wir noch nicht einmal davon, dass das ZDF ganz offensichtlich vergessen hat zu erwähnen, dass die Briten schon ihren Ansprüchen gerecht werden wollten. Sie hatten sowohl Juden als auch Arabern versprochen, sich dafür einzusetzen, in dem Palästinsensischen Mandatsgebiet, das sie nach der Zerschlagung des Osmanischen Reiches übernommen hatten, je einen jüdischen und einen arabischen Nationalstaat zu errichten. Und das ZDF hat auch vergessen zu erwähnen, dass ein arabischer Nationalstaat errichtet wurde im Mandatsgebiet, das sich entgegen heutiger Geschichtsverfälschung vom Mittelmeer bis weit östlich des Jordans erstreckte. Dieser Staat erhielt allerdings nicht den Namen Palästina oder Ostpalästina sondern Transjordanien, das Land hinter dem Jordan, das später in Jordanien umbenannt wurde. (Interessant in diesem Zusammenhang sind übrigens auch die unterschiedlichen Auslegungen der Geschichte in der deutschsprachigen und der englischsprachigen Wikipedia-Fassung, vgl. auch andere Sprachversionen.) Das Gebiet, das heutige fälschlicherweise gern als Palästina bezeichnet wird, wäre also, dieser Logik folgend maximal Westpalästina. Und in diesem ”Westpalästina”, auf den ca. 30%, die von den Vereinten Nationen ein Jahr zuvor für einen jüdischen Staat vorgesehen wurden, hat David Ben-Gurion am 14. Mai 1948 den jüdischen Staat Israel ausgerufen, der sofort attackiert wurde und bei den Kämpfen gegen arabische Armeen, die von allen Seiten das Land angegriffen große Landgewinne gemacht haben, bis an die heutigen, übrigens völkerrechtlich anerkannten Grenzen von 1967. Im Sechs-Tage-Krieg von 1967 hat man später das Westjordanland und Gaza ockupiert, allerdings nicht aus Jux und Dallerei, sondern weil man wiederum mit einem Angriff gerechnet hatte, dem man mit einem eigenen Angriff zuvor gekommen ist. Teile dieser Gebiete wurden übrigens wieder zurück gegeben, nämlich Gaza 2005, mit den bekannten Ergebnissen. Gleichzeitig wurde seit Mitte der 1990er Jahre die Palästinensische Autonomie im Westjordanland gefördert, flankiert von sicher umstrittenen Maßnahmen, wie teilweise dem Siedlungsbau. Und übrigens auch keine Rede davon, dass Israel, nachdem es am Jom Kippur 1973, dem nächsten jüdischen Feiertag wiederum angegriffen hatte, die strategisch äußert wichtigen Golanhöhen und die gesamte Sinaihalbinsel eingenommen hatte. Letztere hat Israel aber unmittelbar wieder geräumt – gegen Frieden mit Ägypten. Dieser Friede hält seitdem.

Der mit Gaza hält nicht, denn dort gibt es niemanden, der die Formel Land gegen Frieden akzeptiert hätte, als man den Streifen 2005 zurück gab. Stattdessen sehen wir zu Pessach 2018, wiederum einem der höchsten Feiertage, massen weise Ausschreitungen im Gazastreifen an der Grenze zu Israel mit massenweisen Versuchen, die Grenze einzureißen und zu überschreiten – und das nicht, um den Grenzern Blumen zu überreichen oder seinen Asylantrag persönlich abzugeben. Man ist hier alles andere als friedlich unterwegs. Trotzdem ist Israel, ist der Jude Schuld an der Eskalation.

Ich stimme selten mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman überein, aber diese antisemitische Heuchlerei der Welt, die nicht ein Sterbenswörtchen des Protestes zu Tausenden von Toten im Syrischen Bürgerkrieg oder im Jemen, der Ukraine oder sonst auf der Welt verliert, ist nicht mehr zu ertragen. Und das ZDF mischt kräftig mit.


7. November: Ein Hundertster

november 8, 2017

Ein 100. Jahrestag, der der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Es ist wie Wolf Biermann sagt. Sie war nicht groß. Sie war nicht sozialistisch. Sie war nicht mal im Oktober. Und auch keine Revolution.

In dem Film Oktober von Sergej Eisenstein von 1927 wird sie als groß dargestellt: Hunderte von Menschen stürmen das Winterpalais. Ein Zeitzeuge, der sowohl 1917 als auch 1927 dabei war, beklagte sich nach den Dreharbeiten bei Eisenstein, dass seine Schauspieler und Komparsen schlimmer gewütet hätten, als die paar Leute, die damals bei Nacht und Nebel in das Palais vorgedrungen sind. Sie war nicht groß, ein kleiner Putsch – mit großer Wirkung. Mit einer Wirkung, die nichts gemein hatte mit dem Ideal des Sozialismus. Nicht zuletzt deswegen hat man ihn später auf den real existierenden Sozialismus reduziert, der nur wenige Gemeinsamkeiten mit den Ideal des Sozialismus hatte. Mit einer Wirkung, die Eytan Stackelberg ein Experiment á la Mengele im Weltmaßstab nannte.

Und mit dieser Einschätzung hat er wohl zweifellos recht.


Presse vom Feinsten

maj 4, 2016

Man möge diese beiden Presseberichte, vor allem die Überschriften, vergleichen, den bei n-tv und den zum gleichen Thema, ja, mit dem gleichen Taxt bei stol.it. Während der eine titelt ”Israel wird offizielles Mitglied der NATO” heißt es in dem anderen ”Israel erhält offizielle Anerkennung durch die Nato”.

Wenn Pressearbeit heutzutage so aussieht, wundert einen eigentlich gar nichts mehr…


Es ist schon erstaunlich

april 29, 2016

die meschuggene mischpoke

Seit Hundert Jahren wurde hier nichts geschrieben, und trotzdem wird der Blog mehrmals pro Woche aufgerufen… Sei es wegen der Rezepte oder der Berichte über verschiedene Traditionen. Es freut uns natürlich. Denn das Leben geht ja bekanntlich weiter. Und das mit Riesenschritten…

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Unser Ältester – und dabei liegt die Betonung auf dem ”r”(!), den unsere drei Ältesten (Mädchen!) haben schon lange ihr Abitur in der Tasche – ist nämlich mittlerweile 18 und macht im Juni sein Abitur. Danach geht er auf große Fahrt, ein Jahr hinaus in die Welt. Danach werden wir weitersehen. Dann ist ja auch schon der nächste Abiturient dran…

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Warum ich Chanukah Weihnachten vorziehe

december 23, 2014

Das jüdische Lichterfest ist in erster Linie kein religiöses Fest. Es ist ein Fest, das an ein historisches Ereignis erinnert, das sich vor über 2000 Jahren in Jerusalem zugetragen hat, als Griechen den Tempel übernommen hatten und dabei waren, die jüdische Kultur und deren Traditionen zu zerstören, ob wissentlich oder unwissentlich sein dahin gestellt.

Für mich ist Chanukah ein Symbol der Freiheit, des Rechtes auf Freiheit, des Rechtes auf Selbstbestimmung, der freien Entscheidung, welchen Weg ich gehen möchte, welches Leben ich leben möchte, welche Religion ich ausüben möchte.

Dieses Recht möchte ich allen zugestehen, allerdings mit einer Einschränkung: Denn Freiheit ist auch immer die Freiheit des anderen. Will ich frei sein, muss ich auch dem anderen seine Freiheit zugestehen – und umgekehrt.

Chanukah, wie wir es in unserer Familie feiern, ist auch eine Absage an den Konsumrausch, der alljährlich mit Weihnachten einherkommt.

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Peggy da und die Wahrheit hier

december 23, 2014

Nicht Pegida ist das Problem, sondern die Ignoranz der Politik und des Establishments, die die Leute in Scharen in die Hände von politischen Rattenfängern treibt, die ihrerseits die Sorgen und Ängste der Menschen ausnutzen, um damit Staat zu machen. Diese Rattenfänger reiten auf einer gefährlichen Welle von Unwahrheit, ja sogar Lügen und Demagogie und verdrehen ganzen Völkerstämmen den Kopf, obwohl diese eigentlich nur auf ein Problem, dass sie sehen, aufmerksam machen wollten, aber nicht recht wissen, wie sie sich Gehör verschaffen sollen.

Dabei hat Henryk M. Broder natürlich Recht, wenn er sagt, die Leute, die in den Pegida-Montagsdemos mitlaufen, hätten einen sehr statischen Demokratiebegriff, einen, der davon ausgeht, dass Demokratie eine wunderschöne Boutique wäre und eben keine Werkstatt, in der gearbeitet und gebohrt wird, wo Späne fallen, weil eben auch gehobelt wird. Aber er hat auch Recht, wenn er bemerkt, dass sie spüren, dass etwas nicht stimmt im Staate Europa.

Aber ebenso Recht hat natürlich auch der kürzlich verstorbene Ralph Giordano, der sich bereits 2007 äußerst kritisch gegenüber dem Bau der Groß-Moschee in Köln zu Wort meldete. Nicht sehen zu wollen, dass eine Gefahr der Islamisierung besteht, ist auch eine Gefahr für die Demokratie. Auch der Islam muss sich wie alle anderen religiösen und gesellschaftlichen Grupperungen der öffentlichen Diskussion stellen und demzufolge auch kritisieren lassen, ohne die Gesellschaft auf die eine oder andere Art und Weise erpressen zu wollen. Ja, und die Frage ist natürlich berechtigt: Wo sind wir denn, dass wir uns überlegen müssten, ob unser Tun und Handeln radikalen Muslimen gefällt oder nicht?

Auch Udo Jürgens‘ Erfahrungen mit Leuten, die, so Jürgens, uns die Pest wünschen, über die der am Wochenende verstorbene Entertainer wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag im Ö1-Mittagsjournal berichtete, sind eben nicht in einem Handstreich vom Tisch zu wischen: Wir müssen uns dem Thema stellen!

Vielleicht sind auch die bereits 2010 geäußerten Befürchtungen der CIA nicht ganz von Pappe…

Wir müssen uns dem Thema stellen, nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa, bevor es zu spät ist.


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